Die ersten drei Wochen mit Lou sind geschafft. Wir können deshalb schon mal einen Zwischenbericht geben. Lou ist ein lebhafter, freundlicher und aufmerksamer Hund. Er hat bereits viel Vertrauen bei uns "getankt", sein Bindungsverhalten ist sehr zu loben. Natürlich verlangt er auch seine Streicheleinheiten - und die bekommt er reichlich.

Lou trägt bei allen Ausflügen stets ein Brustgeschirr. Nur bei den diversen kurzen Pinkelrunden zu und in einem nahe gelegenen Wäldchen geht er an der Mocksenleine. Anfangs hat Lou bei den Spaziergängen sehr an der Leine gezogen. Inzwischen weiß er, dass wir regelmäßig gehen und auch lange genug. Jetzt ist er nur noch zu Beginn ziemlich engagiert. Danach läuft er aber entspannter.

In der dritten Woche ist er nun schon jeden Tag längere überschaubare Teilstrecken ohne Leine gelaufen. Da kann er nun riechen, ohne dass er ziehen muss. Da kann er kleine Zwischenspurts einlegen, ohne dass er sich zu weit entfernt. Auf Zuruf macht er "Sitz" und wartet. Kurze Zeit geht er auch "bei Fuß", um dann wieder den "Freilauf' zu genießen. Gelegentlich wälzt er sich am Wegesrand voller Lebensfreude. Er soll merken, dass auch wir ihm vertrauen.

Dennoch müssen wir auf "Gegenverkehr" achten und darauf, ob die Gegend wildfrei ist. Man muss also konzentriert zu Werke gehen. Noch wissen wir nicht, wie er sich in diversen Alltagssituationen verhält und auch nicht, wie es bei ihm mit dem Jagdtrieb aussieht. Ein frei laufender Hund muss sich ja zu jeder Zeit beeinflussen und kontrollieren lassen. Zudem gibt ihm unsere Hündin Lisa stets ein Beispiel, wie man sich als unangeleinter Hund in der freien Landschaft verhalten muss.

Das Laufen ohne Leine ist fiir Lou auch deshalb sinnvoll, weil er sich als Power-Hund beim Spaziergang im Grunde nicht ausarbeiten kann. In Kürze werden wir deshalb auch mit der Dummyarbeit "an Land" beginnen. Dummyarbeit "im Wasser" ist quasi eine Lieblingsbeschäftigung von Lou. Teich- oder Seewasser riecht er schon aus großer Entfernung. Inzwischen waren wir sechsmal mit ihm zum Schwimmen. Da er den Weg zum Baggersee (nahe der Autobahn nördlich von Königslutter) bereits kennt, hat er es stets eilig. Lou ist ein Kampfschwimmer! Meine Frau konnte ihn beim ersten Mal nicht halten. So begann die Wasserarbeit auch bei uns "mit Leine", weil er sich losriss. Zum geworfenen Dummy schwamm Lou stets kraftvoll. Er apportierte auch, aber er legte das Dummy schon in Ufernähe ab, um gleich wieder hinaus zu schwimmen. Deshalb waren immer zwei Dummies im Einsatz.

Bisher hatten wir Glück, weil keine anderen Menschen mit Hund am See waren. Inzwischen haben wir die Taktik etwas geändert. Wenn Lou mit dem Dummy zurück schwimmt, täuschen wir einen Weggang vor. Dies bewirkt, dass Lou dank seiner Bindung nunmehr mit dem Dummy aus dem Wasser kommt und in unsere Richtung 1äuft. Noch lässt er das Dummy aber vorzeitig fallen, d. h., er sitzt nicht vor und gibt nicht aus. Da müssen wir also noch "an Land" üben. An den Abenden nach dem Schwimmen haben wir stets einen ruhigen Hund.

Lou ist zu Besuchern recht freundlich. Solche mit Hundeerfahrung liebt er besonders. Ihre und auch unsere Hände werden gelegentlich geleckt und zärtlich beknabbert. Anfangs gab es jedoch ein Problem beim Füttern, als er Lisa das Futter streitig machen wollte. Da gab es eine kurze Beißerei, bei der auch meine Frau mit seinem Eckzahn Bekanntschaft machte. Nach diesem Vorfall füttern wir die Hunde erst einmal nacheinander. Als Besucher einmal beiden Hunden ein Leckerli gaben und eins davon herunterfiel, gab es auch eine kurze Rangelei. Man sieht also, dass Futterneid und Futterverteidigung z. Z. noch eine Rolle spielen. Dies müsste eigentlich schon im Welpenalter "behandelt" werden. Es kann aber auch eine Nachwirkung seiner jüngsten Vergangenheit sein. Wir sind deshalb besonders vorsichtig, wenn Enkelkinder zu Besuch sind und etwas Essbares in der Hand haben. Da müssen wir auf Abstand achten. Lou ist auch sehr interessiert, wenn wir essen. Er will es aus der Nähe sehen. Es gibt Anzeichen dafür, dass er früher etwas "vom Tisch" bekommen hat.

Anfangs hat er auch seinen Kopf eingezogen und zu Boden gesenkt, wenn ein lautes "Nein" kam oder die Leine zufällig über seinen Kopf bewegt wurde. Dies deutet daraufhin, dass Lou früher eingeschüchtert oder gar geschlagen wurde. Inzwischen ist Lou aber sehr selbstsicher. Wir wollen ja auch sein Wohlbefinden und seine Lebensfreude stärken.

Mit Lisa verträgt sich mit Lou ganz gut. Sie laufen nebeneinander, sie schlafen nebeneinander und sie begrüßen sich. Übrigens schlafen die Hunde mit mir im Arbeitszimmer. Lou liegt schon seit drei Nächten direkt an meinem Bett auf einer Hundedecke -etwa in meiner Kopfnähe. Lisa liegt daneben in einem alten Sessel. Der Rudelkern hält also auch nachts zusammen und tut was für die Bindung.