Diesen Brief haben wir von unserem Shaggy bekommen:
Liebe MitarbeiterInnen vom Tierheim Wolmirstedt,
wie gut, dass es Menschen wie Euch gibt, die sich um uns verlassene Tiere kümmern: Durch Euch haben MEINE Menschen mich gefunden und am Nikolaustag 2003 nach Hause geholt. Bis dahinn nanntet Ihr mich "Shaggy", und in der Rubrik "vermittelt" bin ich der herzerweichende kleine Kerl auf dem Foto "Drei Dackelwelpen"!
Auf der fast 5stündigen Fahrt nach Hause hab´ich mich die ganze Zeit ganz fest in Frauchens Arm geschmiegt und mich an ihrem Hals angekuschelt. Das war schön warm! So wollte ich sie gar nicht mehr loslassen. (Doll schmusig bin ich heute immer noch!) Herrchen hielt immer wieder an, damit ich mein Geschäft machen kann, aber alles war so aufregend, dass ich das ganz vergaß.- Daheim angekommen, hatte ich ganz große Augen und bin - stöhn! - beinah geplatzt. Nicht nur, weil das Wasser unbedingt raus musste, nein, natürlich auch vor Neugier...
WAU!!! So viel Neues! ( Ist das ein anderer Planet ?!? )
In der ersten Nacht konnte ich bei den vielen Eindrücken kaum schlafen. Ratet mal, wer noch! Am zweiten Tag kannte ich mich schon ein bisschen aus. Als Frauchen wieder den Schlafanzug anzog, bin ich ganz allein ins Körbchen gegangen, und meine Dackeleltern haben mich toll gelobt!
Mittlerweile kann ich schon einiges: Komm! Sitz! Platz! Bleib! Aus! Und natürlich bei Fuß gehen. Ich kenne viele Gegenstände und kann sie zeigen oder holen. Einmal fand Frauchen ihre Regenjacke nicht - aber ICH! (STOLZ!)
Weil ich ein ziemlich schlauer Dackel bin, will ich alles wissen. Vor mir etwas zu verbergen, ist gaanz schwer. Meinem Dackelblick entgeht nichts! So ein Dackelblick ist obendrein superpraktisch: Wenn ich lange genug sooo mache, können Herrchen und Frauchen mir doch nicht ganz so viel abschlagen, klasse!
Wie Ihr seht, habe ich mich auch hervorragend entwickelt: Aus dem kleinen Dreikilo-Würmchen ist ein stattlicher Jüngling geworden, ja! Ich habe jetzt eine Schulterhöhe von 35 cm, eine Länge von 70 cm und wiege gut 10 Kilogramm. Außerdem bin ich unheimlich sportlich und selbstverständlich stubenrein. Frauchen und Herrchen sagen immer, ich sei Ihr Glücksdackel, und sie möchten mich nie mehr missen, weil ich so lieb und dankbar bin. Manchmal verwandelt sich das Engelchen auch in ein Bengelchen und ist zu allerlei Schabernack aufgelegt; da gibt es für uns alle viel zu lachen.
Weil ich ein wirklich bedeutender Hund bin (Man beachte meine würdevolle Haltung und erst den aristokratischen Blick...!), bekam ich meinen neuen Namen BEPPO. Ich wohne in einem schönen Mehrfamilienhaus mit einem kleinen Park, ganz altem Baumbestand und ganz großen Wiesen drumrum - da habe ich meine Stamm-Bäume schnell gefunden. In der Umgebung gibt es einige Hunde, die ich oft treffe und mit denen ich spielen kann. Hein, der Nachbardackel, ist allerdings nur halb so groß wie ich und könnte schon mein Uropa sein. Dafür bin ich der Liebling fast aller Leute, die mich sehen: Sogar Herrn M, den alten Knötterpit, der immer finster geguckt und nie gegrüßt hat, bringe ich zum Sprechen - und zum Lachen!!!
Am liebsten tobe ich durch Wiesen und Wälder, spiele mit dem Ball und knabbere knusprige Schweinsöhrchen. Ich freue mich auch immer riesig, wenn wir in den Garten fahren. Besonders gerne gucke ich, was die Kaninchen vom Nachbarn machen. (Aber wirklich nur gucken!) Obwohl...
Graben ist klasse! Weder Erdhaufen noch Mauselöcher sind vor mir sicher; denn meine Neugier ist kaum zu bremsen!
Zu einem besonderen Dackel gehört natürlich auch eine Marotte. Meine ist ALLES FRESSEN, was geht, möglichst ehe Herrchen oder Frauchen gucken können. Jetzt bin ich aber schon viel vernünftiger geworden, nicht zuletzt auch deshalb, weil mir das Sauerkraut, von dem ich dann immer mindestens ein halbes Pfund fressen muss, langsam schon aus den Ohren hängt... Wenn ich was Verbotenes, Scharfkantiges gefressen habe, wickelt sich in Magen und Darm das Kraut drumrum und befördert alles sicher hinaus (Tip vom Tierarzt). Einmal hatte ich mir ein kleines Keramikküken von der Fensterbank geangelt und verknuspert; ein anderes Mal biss ich ein Stück von einem alten Plastikeislöffel ab. Man glaubt gar nicht, was Hunden so alles schmeckt! Naja, inzwischen weiß ich ja schon vieles und versuche, mich so gut es geht zu beherrschen. Irgendwie ist es auch viel schöner, von meinen Dackeleltern gelobt, belohnt und gestreichelt zu werden, weil ich schon so viel ganz prima mache!
Liebes Team in Wolmirstedt, ich bin gesund, trage ein unglaublich glänzendes Fell mit toller Zeichnung, kann mit Artgenossen spielen und zur Hundeschule gehen, in der Natur toben und bei meinen geliebten Menschen sein. Dass ich das alles darf, verdanke ich Eurem Einsatz, durch den ich das schöne Zuhause bei meinen Dackeleltern bekommen hab´. Dafür danken sie und ich Euch von ganzem Herzen und wünschen Euch und "Euren" Tieren noch viele schöne Vermittlungserfolge.
Eines ist sicher: Alle Tiere sind Euch für jede Zuwendung dankbar. Gebt bitte nie auf! Allen anderen Menschen, die sich einen vierbeinigen Lebensgefährten wünschen und sich der Verantwortung (hoffentlich!) bewusst sind, möchte ich sagen:
Bitte besucht zuerst die Tierheime, wo so viele entsorgte und verlassene Vierbeiner traurig, aber immer wieder hoffnungsvoll auf die Menschen warten,die sie wieder zu einem glücklichen Tier machen. Vorübergehend mag das mit ein wenig Mühe verbunden sein - doch was ist das im Vergleich zu dem, was wir Euch dankbar zurückgeben werden?
Woody Allen sagt: "Der einzig absolute Freund, den ein Mensch in dieser selbstsüchtigen Welt haben kann, der ihn nie verlässt, der sich nie betrügerisch oder undankbar verhält, ist sein Hund."
Euer Beppo
P.S.
Bitte mailt uns doch mal, wer meine Hundeeltern sind! An dem Tag, als meine Dackelfamilie mich mit nach Hause nahm, waren so viele Leute da und wollten Tiere holen; so hatten wir gar keine Zeit, über meine Herkunft zu sprechen. Sagt mal ehrlich: Für einen Dackel, bin ich doch ziemlich groß...? Nein, ich bin der Größte - sagen auch Herrchen und Frauchen. DANKE !!!
Wir schenken unseren Hunden ein klein wenig Zeit. Dafür schenken sie uns restlos alles, was sie zu bieten haben. Es ist zweifellos das beste Geschäft, das der Mensch je gemacht hat.
Roger Andrew Caras