Am 20. Januar 1993 fand die Gründungsversammlung des Tierschutzvereines Wolmirstedt im Soziokulturellen Zentrum Wolmirstedt, Glindenberger Straße 4, statt. Anwesend waren laut Protokoll 29 Gründungsmitglieder. Ziele des Vereins sollten „die Bekämpfung des Missbraucher und der Misshandlung von Tieren, der Tierquälerei sowie von Missständen bei der Tierhaltung“ sein. „Um diese Ziele in die Realität umzusetzen, sollen Inspektoren-, Katzen- und Vogelschutzgruppen gebildet werden, wobei eine aktive Mitarbeit der Vereinsmitglieder hierfür Voraussetzung ist.“ Zum Vorsitzenden des Vereins wurde Dr. Horst Köther gewählt.

Die Gründung des Vereins hatte eine Vorgeschichte, die genau genommen im Jahr 1966 begann. Damals zog Dr. Köther von Magdeburg nach Wolmirstedt und eröffnete eine Kleintierpraxis. In Magdeburg war er Zootierarzt und bis 1973 zugleich Vorsitzender des dortigen Tierschutzvereins. Zu diesem Zeitpunkt trat er von seiner Funktion im Tierschutzverein zurück, da staatliche Stellen meinten, die Arbeit eines Zootierarztes und die Funktion eines Tierschutzvereinsvorsitzenden seien nicht vereinbar.

Nach der Wende wurde Dr. Köther 1990 erneut Vorsitzender des Magdeburger Tierschutzvereins. Immer mehr stellte er aber fest, dass er in dieser Funktion für den Tierschutz in seinem Wohnort Wolmirstedt zu wenig tun konnte. So wurde er zur treibenden Kraft bei der Gründung des Wolmirstedter Tierschutzvereins.

Von Anfang an war dabei sein Traum auch, ein Tierheim zu errichten, aber daran war zunächst noch nicht zu denken: Es fehlten sowohl die finanziellen Mittel als auch ein geeignetes Grundstück. Vorstandssitzungen fanden im Speiseraum der Leibnizschule statt, deren Hausmeister Gründungsmitglied Axel Bischof war.

Da Tierschutzarbeit, insbesondere die Aufnahme von Tieren in Not, nur auf der Basis privater Pflegestellen ausgesprochen schwer zu realisieren ist, wurde schon bald mit der Suche nach einem geeigneten (und bezahlbaren) Standort für ein Tierheim begonnen. Zahlreiche Objekte, insbesondere leerstehende LPG-Ställe wurden besichtigt, ohne dass sich etwas geeignetes gefunden hätte. Die Gebäude waren ungeeignet oder zu abgelegen, oder die Besitzer wollten ein langfristiges Nutzungsrecht nicht zugestehen.

Die Lösung des Problems kam von einem weiteren Gründungsmitglied des Vereins, Rosemarie Nielebock. Sie besaß in Wolmirstedt gegenüber dem Klärwerk ein Gartengrundstück, von dem sie einen Teil am 22.11.1994 dem Tierschutzverein durch einen Erbbaupachtvertrag für vierzig Jahre zur Verfügung stellte.

Das "Wassergrundstück"

Durch die tiefe Lage und die Nähe zur Ohre handelte es sich hierbei allerdings mehr um ein „Wassergrundstück“. Bevor an den Bau eines Tierheimes hier zu denken war, musste das Grundstück zunächst mit zahllosen Fuhren Erde aufgeschüttet werden.

Nun hatte der Verein zwar ein Grundstück zur Verfügung – aber noch immer kein Tierheimgebäude und nicht die finanziellen Mittel, eines zu bauen.

So begann eine erneute Suche, und wie man sagt, ist das Glück mit den Tüchtigen: Familie Giersch – wieder einmal unterwegs auf der Suche nach einem geeigneten Objekt – entdeckte auf einem Gelände der damaligen Reichsbahn eine Baustelle, wo gerade ein aus Containern bestehendes Wohnheim abgerissen werden sollte. Nach einigen Gesprächen gab es die Zusage der zuständigen Reichsbahnverwaltung, dass der Tierschutzverein die Container kostenlos bekommen könne.

Aber schon gab es die nächsten Probleme: die bestehenden Installationen der Container mussten demontiert werden, und dann mussten sie nach Wolmirstedt transportiert werden. Herr Giersch organisierte einen Kran und ein Fahrzeug, dann stellte sich heraus, dass man für den Kran auch ein Gehänge braucht, dann wurde die gleiche Technik zum Entladen in Wolmirstedt benötigt... Im Herbst 1996 standen die Container endlich auf dem Grundstück in der Angerstaße.

Die Container

Sobald in der Öffentlichkeit bekannt wurde, dass in der Angerstraße ein Tierheim entsteht, wurden auch schon die ersten Tiere in Not gebracht. (Eine Katze aus dieser Zeit lebt noch heute bei Familie Giersch.) Da eine Unterbringung zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht möglich war, mussten verstärkt Pflegestellen in Aktion treten.

Im Tierheim begannen inzwischen die Bauarbeiten. Die Container mussten zusammengesetzt werden, Wasser, Heizung und Strom waren zu installieren, Wege mussten gepflastert werden, Wände waren zu fliesen, die ersten fünf Hundezwinger wurden aufgestellt, das Grundstück musste eingezäunt werden. All das wäre ohne Hilfe nicht realisierbar gewesen. Wir haben vielen Handwerksbetrieben der Region zu danken, die teils kostenlos, teil zum Selbstkostenpreis für uns arbeiteten, und auch aus der Bevölkerung wurde dem Verein Hilfe zuteil: Nach einem Aufruf in der Zeitung zum Beispiel hatten wir genug Fliesen der verschiedensten Art, um alle Katzenräume fliesen zu können, und es blieb noch reichlich Material übrig. Und natürlich halfen auch viele Vereinsmitglieder mit.

Im Vordergrund: Rudolf Giersch Die Container kurz vor der Eröffnung Axel Bischof

Noch wenige Tage vor der geplanten Tierheim-Eröffnung konnte niemand glauben, dass die Baumaßnahmen noch rechtzeitig abgeschlossen werden könnten. Auch ein Teich wurde angelegt und von der Feuerwehr mit Wasser gefüllt.

Die Feuerwehr füllt Wasser in den Teich.

Am 1. Juni 1997 war es dann soweit: unter großer öffentlicher Anteilnahme – der Landrat Thomas Webel hielt eine Rede, ein Chor trat auf, die Feuerwehr war mit einer großen Leiter gekommen und viele Wolmirstedter kamen, um sich zu informieren und alles anzusehen – wurde das Tierheim offiziell eröffnet – und alles war doch noch fertig geworden. Schirmherr der Eröffnung war Wolmirstedts Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander.

Voll belegt war das Tierheim zu diesem Zeitpunkt längst, und bald stellte sich heraus, dass noch mehr Kapazität benötigt wurde. So wurde zunächst die bestehende Zwingeranlage nach links und rechts erweitert und es wurden zwei umzäunte Ausläufe eingerichtet. Danach wurde eine zweite Zwingeranlage mit 5 Plätzen gebaut. Auch wurden die Katzenzimmer im Hauptgebäude mit Außenausläufen versehen.

Im Jahr 2002 folgte das „Pensionsgebäude“, eine Zwingeranlage mit beheizbarem Innenbereich, das vorwiegend für die Unterbringung von kälteempfindlichen Hunden im Winter und Pensionstieren vorgesehen ist. Im Winter 2003/04 wurde schließlich ein befestigter Platz für den Abfallcontainer sowie ein Außenzwinger errichtet, der der Polizei die Möglichkeit gibt, nachts aufgegriffene Tiere abzugeben.

Finanzierbar wurde alles dies durch die Unterstützung der Handwerksbetriebe, die immer wieder zu besonders günstigen Konditionen für uns arbeiteten, durch feste Verträge mit mehreren Verwaltungsgemeinschaften über die Aufnahme von Fundtieren, durch Hilfe und Spenden von Vereinsmitgliedern und Tierfreunden und nicht zuletzt durch den Einsatz von Lottomitteln, die uns bewilligt wurden.

Unsere Sponsoren

Auch die Betreuung der – immer zahlreicher werdenden – Tiere wäre ohne die aktive Mithilfe unserer Mitglieder nicht möglich gewesen. Außerdem wurden uns stets vom Sozialamt Helfer geschickt (z.B. Spätaussiedler aus Russland), und auch die Justiz hat uns in ihr Programm „Schwitzen statt sitzen“ einbezogen, das es geringfügig straffällig Gewordenen ermöglicht, ihre Strafe abzuarbeiten.

Natürlich braucht der Tierheimbetrieb jemanden vor Ort, der die Verantwortung trägt, die Arbeit organisiert und für geordnete Abläufe sorgt. Zu Anfang hat dies ehrenamtlich Frau Nielebock weitgehend übernommen, tatkräftig im Bereich Bau und Instandhaltung von Axel Bischof unterstützt. Als sie altersbedingt kürzer treten musste, wurde die Frage der Nachfolge immer dringlicher. ABM-Kräfte waren uns immer wieder abgelehnt worden.

Von 2000 bis 2002 trat Ingolf Fröde „in ihre Fußstapfen“, tatkräftig von seiner ganzen Familie unterstützt. Nachdem er durch den arbeitsbedingten Umzug nach Oebisfelde nicht mehr zur Verfügung stand, standen wir erneut vor dem Problem, einen ehrenamtlichen Tierheimleiter zu finden.

Dies stellte sich als problematisch heraus, es gab Enttäuschungen. Im Jahr 2003 entschloss sich daher der Vorstand, Rolf Heinemann mit Wirkung vom 1. März als Tierheimleiter einzustellen. Ihm folgte zum 1.10.03 Nadine Horwitz mit einer Minijob-Stelle als Tierpflegerin. Außerdem ist unser Tierheim seit September 2002 als Einsatzstelle im Freiwilligen Ökologischen Jahr anerkannt, das Jugendlichen eine berufliche Orientierung ermöglicht und für das Tierheim eine nicht zu unterschätzende Hilfe bedeutet. Seit dem Durchgang 2003/04 haben wir stets zwei Freiwillige im Einsatz.

Im Jahr 2001 trat Dr. Köther aus gesundheitlichen Gründen vom Vorstand des Vereins zurück.

Für seine Leistungen im Tierschutz wurde ihm vom Deutschen Tierschutzbund die Franz-von-Assisi-Medaille verliehen. Auf Vorschlag des Vorstandes wurde er in der Mitgliederversammlung zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit ernannt. Als Nachfolgerin wurde die Tierärztin Steffi Engelbrecht, bis dahin stellvertretende Vorsitzende, gewählt. Bis zu seinem Tod am 28.März 2002 blieb Dr. Köther „seinem“ Verein eng verbunden, und er verfügte, dass Kranzspenden zu seiner Beerdigung dem Tierheim zugute kommen sollten, es wurde die stattliche Summe von 1495,00 Euro.

Am 13. September 2003 konnten wir unter großer öffentlicher Anteilnahme den zehnten Jahrestag der Vereinsgründung begehen.

Seit längerem war das Dach der Hauptgebäudes im Tierheim defekt. Eine wirksame Reparatur überschritt die finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Aber ständig gab es feuchte Flecke an den Zimmerdecken und Lampen, in denen Wasser stand. In dieser Situation hatte unser Vereinsmitglied, Frau Horwitz, die Idee, sich an die mdr-Sendung "Mach dich ran" zu wenden. Kurz gesagt: es klappte. Nach einer größeren Abstimmungsaktion von Herrn Giersch stand das Fernsehen im März 2005 "auf der Matte", und gesponsort von den Firmen Rudnick, Grothe und Nitsche und dem Baumarkt Sporkenbach (für das leibliche Wohl sorgte die Gaststätte "Auerbachs Mühle") bekamen wir in anderthalb Tagen ein neues Dach.

Am 8. April 2005 wurde in der Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde Rudolf Giersch, sein Stellervertreter der Tierheimleiter, Rolf Heinemann, Schatzmeister Andreas Tschiche und Schriftführer Frank Kalski.

Am 28. März 2006 starb unser Tierheimleiter, Rolf Heinemannn, im Alter von 45 Jahren. Der Verein verlor mit ihm einen seiner aktivsten Mitarbeiter, der trotz seiner Krankheit stets zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde und viel zur Erhaltung und Verbesserung der Qualität unserer Tierschutzarbeit beigetragen hatte. Seine Aufgaben im Tierheim übernahm Herr Kalski.

Nachdem wir uns 2008 von Herrn Kalski trennen mussten, übernahm Herr Kemesies die Aufgabe des Schriftführers, und Frau Giersch wurde als stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins gewählt. Die Veranstwortung im Tierheim übernahmen Herr Kemesies und Frau Horwitz gemeinsam.

Nachdem bereits zur Zeit von Herrn Heinemann der Quarantäneraum mit gefliesten Boxen ausgestattet worden war, wurden auf dem Gelände zwei weitere Container aufgestellt, die als Lagerraum für Tierfutter und als Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter und Helfer dienen.

Im Jahr 2009 wurden im Hauptgebäude der Arztraum und die Futterkammer neu ausgestattet. Außerdem erhielt der Verein ein neues Einsatzfahrzeug.