HALTUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR FARBRATTEN

Für den nachfolgenden Beitrag und die Fotos danken wir Cornelia Lindner vom Verein der Rattenliebhaber und -halter in Deutschland (VdRD)

Allgemeines

Ratten gehören zur großen Familie der Nagetiere. Unsere Farbratten sind Nachfahren der seit über einhundert Jahren von Menschen gezüchteten Laborratten. Diese wiederum stammen von den Wanderratten ab. Durch die lange Domestikation verhalten sich Farbratten Menschen gegenüber aufgeschlossen, unkompliziert und verschmust, bei richtiger Haltung und korrektem Umgang wohlgemerkt! Sie sind sehr reinlich, ihr Putzverhalten ähnelt verblüffend dem der Katzen. Durch die ausschließlich in der Wohnung gehaltenen Tiere werden keine Krankheiten übertragen! Im Gegenteil, schnell ist das Heimtier mit vom Halter eingeschleppten Erregern (z.B. Erkältungskeimen) infiziert.

Passen Ratten überhaupt zu mir?

Wer an einer Tierhaarallergie leidet, sollte von einer Rattenhaltung Abstand nehmen. Eine Allergie gegen Heu spielt keine Rolle, da Ratten kein Heu brauchen. Sie entwickeln sogar häufig allergische Reaktionen gegen staubende Einstreu, so dass viele Halter auf Papierstreu u.ä. zugreifen.

Da die Tiere sehr enge Atemwege haben, kommt es oft zu Erkrankungen derselben. Auch Tumore, meistens gutartige, treten auf. Die Lebenserwartung liegt bei circa 2,5 Jahren. Ratten haben keinen tierartspezifischen Eigengeruch. Aber die Exkremente müssen jeden Tag beseitigt werden, sonst.....

Die Kleinen sind sehr bewegungs- und kontaktfreudig, brauchen daher unbedingt täglichen Auslauf inklusive Spielrunde mit ihren Menschen! Dabei wird Mensch schon mal „markiert“, also angepieselt. Wer das nicht akzeptiert, sollte sich keine Ratten zulegen.

Weil Ratten dämmerungs- und nachtaktiv sind, sind sie ideal für Berufstätige. Kinder ab 12 Jahren können die Tiere unter Anleitung eines rattenbegeisterten Erwachsenen pflegen.

Wo bekomme ich meine Ratten?

Zuallererst: Hände weg von Qualzuchten, die es leider auch in Deutschland schon gibt. Dazu zählen Dumbo-, Rex-, Nackt- und schwanzlose Ratten. Von solchen „Zuchten“ sollte man im Sinne der Tiere die Finger lassen, denn die Nachfrage regelt das Angebot.

Nun, natürlich kann man Ratten im Zooladen kaufen, das ist immer die einfachste Möglichkeit. Aber : Zooladen-Ratten sind häufig krank und verstört, weil sie in zu großen Gruppen und unter schlechten Bedingungen gehalten werden, sich niemand mit ihnen beschäftigt, der Käfig eintönig ist, keine Verstecke hat usw. Es kommt oft vor, das die Geschlechter zu spät oder gar nicht getrennt werden. Da kauft man dann statt einer Ratte ein ganzes Geheck.

Die zweite Möglichkeit ist das Tierheim. Leider haben viele dieser Ratten schon Schlechtes erlebt, sind somit für Anfänger nicht unbedingt geeignet. Aber natürlich gilt das nicht für alle, Jungtiere sind meist unkompliziert. Die Tierpfleger kennen ihre Tiere und werden Neulingen in der Rattenpflege nur Tiere vermitteln, die zu ihnen passen.

Eine dritte Möglichkeit der Rattenbeschaffung sind die Notfallvermittlungen des VdRD (Verein der Rattenliebhaber und –halter in Deutschland e.V.) und des Rattenforums im Internet (siehe Links). Schauen Sie sich mal um, dort gibt es sehr viele Tiere, die ein neues Zuhause suchen.

Haltung

Ratten sind Rudeltiere und am zufriedensten in einer Gruppenhaltung mit Artgenossen, denn die gegenseitige Fellpflege, das Kuscheln in der Hängematte, die Verständigung im Ultraschallbereich kann auch der liebevollste Halter nie ersetzen. Ratten sind die einzigen Nager, die auch als Erwachsene noch spielen! Daher sollten zwei, besser noch drei gleichgeschlechtige Tiere gehalten werden. In der Gruppe besteht eine Rangordnung, die in Rangeleien, aber auch blutigen Kämpfen ausgemacht werden kann. Daher in eine bestehende Gruppe neue Tiere immer schrittweise integrieren!!! Genaue Hinweise zum Vorgehen bitte auf den unter „Links“ genannten Seiten einholen.

Käfig

Farbratten gehören nicht nach draußen oder in den Keller. Gegen das Schlafzimmer spricht die nächtliche lautstarke Aktivität der Tiere. Der Käfig soll an einem warmen, zugfreien, ruhigen Ort aufgestellt werden. Ja, die meisten Rattenfreunde halten ihre Tiere im Wohnzimmer. Viele haben auch ein „Rattenzimmer“ mit vielen Spielmöglichkeiten eingerichtet, wo die Kleinen ihren täglichen Freilauf genießen.

Die im Handel angebotenen „Rattenkäfige“ sind häufig zu klein, die Einrichtung dürftig. Für zwei Tiere sollten wenigstens 220 Liter Rauminhalt bei einer Käfigmindesthöhe von 80 cm zur Verfügung stehen. Zur Berechnung weiterer Größen verweisen wir auf den Nose-calc auf der Webseite des Rattenforums. Aquarien sind völlig ungeeignet, da es dort zu hoher Luftfeuchte mit Erkrankungen als Folge kommt. Außerdem bietet ein Gitterkäfig den eifrigen Kletterern schon viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Sehr gut lassen sich deshalbZimmervolieren zum Rattenheim umfunktionieren. Beim Kauf sollte man unbedingt auf den Gitterabstand (Fluchtgefahr!) und die Größe und Verteilung der Türen achten, damit man alle Einrichtungsgegenstände gut erreichen und reinigen kann.

Zur Grundausstattung gehören Selbsttränke, standfester Napf und Häuschen. Bitte KEIN Laufrad wegen der Gefahr der Schwanzverletzung! Alle Einrichtungsgegenstände sollten ohne Gefahr für die Gesundheit benagt werden können.

Natürlich ist auch ein Käfig-Selbstbau möglich. Tolle Tipps dazu sowie zur Einrichtung, Etagenversiegelung und –abstand, Seitenverblendung usw. lesen Sie bitte unbedingt unter den empfohlenen Links nach.

Auslauf

Die witterungsempfindlichen schreckhaften Tiere gehören weder an einer Leine noch auf der Schulter nach draußen! Das ist blanker Stress und gefährlich für sie!

Der Auslauf von mindestens einer Stunde pro Tag sollte in einem „rattensicheren“ Raum stattfinden. Achten Sie auf Kabel und Steckdosen, unzugängliche Ecken! Zimmerpflanzen sind meist giftig, werden ausgebuddelt! Hunde und Katzen sind Beutegreifer! Angekippte Fenster werden zur tödlichen Falle, außerdem entsteht Zugluft am Fußboden! Tapeten und Teppiche werden gern benagt. Der Auslauf sollte daher immer unter Aufsicht ablaufen. Dabei kann man mit den Kleinen kuscheln und spielen. Zur Gestaltung von Spielplätzen gibt es ebenfalls Tipps auf den verlinkten Seiten..

Es empfiehlt sich das Tragen alter, weitärmeliger Kleidung, denn dort wird sich gern versteckt und auch genagt. Beim Umgang mit den Ratten beachten Sie, dass man die Tiere nicht am Schwanz ziehen oder gar hochheben darf. Die Haut um den Schwanz kann vom darunter liegenden Gewebe abreißen. Dies ist eine ernste Verletzung, die sogar eine Amputation zur Folge haben kann!

Pflege

Das Tier selbst braucht nicht geputzt werden.

Im Käfig müssen täglich die beispielsweise mit einer Schicht Vogelsand gefüllten Nagertoiletten und die nasse Einstreu gewechselt werden. Bewährt hat sich das Auslegen der Etagen mit Zeitung. In die Bodenwanne kommt als Einstreu Papierschredder oder im Handel erhältliche nicht staubende Streu z.B. auf Papierbasis. Nicht geeignet ist wegen des hohen Staubanteils die übliche Kleintierstreu aus Hobelspänen! Wenn die Ratten niesen, sollte man außer dem Gang zum Tierarzt auch an einen Wechsel der Streusorte denken.

Zum Auspolstern der Nester ist ebenfalls Zeitung gut geeignet, keinesfalls Hamsterwatte. Bei dieser und ähnlichem Material besteht die Gefahr der Abschnürung von Gliedmaßen.

Futter

Das Futter sollte zu 2/3 aus einem speziell für Ratten konzipierten Körnergrundfutter bestehen. Der Handel bietet mittlerweile einige Sorten an. Das letzte Drittel ist das Frischfutter. Beliebt sind Kartoffeln, Nudeln, gekochter Reis. Bei Obst und Gemüse ist alles erlaubt außer blähenden Sorten wie Kohl, Zwiebeln, Klee, Hülsenfrüchten. Auch Zitrusfrüchte sind zu meiden. Verboten gar ist Avocado, da sie für diese Tiere giftig ist!

Frischfutter soll in einwandfreiem Zustand sein und immer gewaschen werden. Man kann auch Wildkräuter wie Löwenzahn, Vogelmiere oder Gras anbieten. Auf Abgasbelastung der Grünflächen ist zu achten!

Als Kauartikel empfehlen sich prasseltrockenes Brot, ungespritzte Zweige, handelsübliche Kaustangen.

Das Wasser muss täglich gewechselt werden. Ab und an kann man ungesüßten verdünnten Tee anbieten.

Ratten sind Individualisten, was der einen schmeckt, kann die andere ablehnen. Außerdem sollte man für Abwechslung sorgen, sonst wird das Futter bald nicht mehr beachtet.

Krankheiten

Leider bleibt kaum einem Halter der Gang zum Tierarzt erspart. Darum gehört zur Grundausstattung eine geeignete Transportbox, bitte keinen Schuhkarton!

Da, wie bereits erwähnt, Atemwegsinfekte häufig sind, sollte man für Zimmertemperaturen von 18 bis 25 Grad Celsius und eine Luftfeuchte von 60 Prozent sorgen. Besonders in der Heizungsperiode kann man feuchte Tücher aufhängen, Zimmerbrunnen betreiben u.ä. Das Zimmer am besten über einen Nachbarraum belüften, sonst Decke über den Käfig hängen, bevor man das Fenster öffnet.

Beim Knuddeln auf Tumore und Verletzungen achten. Milbenbefall ist häufig, er äußert sich in wunden Stellen und Juckreiz. Auf die Allergieproblematik wurde bereits eingegangen.

Bei jedem Krankheitszeichen sollte man umgehend einen wirklich rattenkundigen Tierarzt aufsuchen. Am besten sucht man sich diesen bereits vor dem ersten Notfall. Auch hierbei helfen die Internet-Links.

Vermehrung

Die Weibchen erreichen mit der 5. Lebenswoche die Geschlechtsreife, Böcke mit der 6. Woche. Die Tragezeit beträgt 21-24 Tage. Das Muttertier kann direkt nach der Geburt erneut gedeckt werden, dies Phänomen nennt man Prä-östrus.

Pro Wurf darf man mit bis zu 18 Jungen rechnen, die ebenfalls nach fünf bis sechs Wochen fortpflanzungsfähig werden. So hat man im Handumdrehen einen Ratten-Riesennotfall produziert! Selbst wenn man nur einmal diese süßen Babys selbst aufziehen möchte, sollte man Folgendes bedenken:

  1. Viel zu viele Ratten sitzen schon in den Tierheimen und bei Notfallvermittlern! Jedes von Ihnen produzierte und vermittelte Baby nimmt einer Notfallratte ihre Chance!
  2. Können Sie alle Babys behalten oder in wirklich gute Hände vermitteln? Sind Sie bereit, dafür viele Kilometer zu fahren? Haben Sie überhaupt genug Käfige, um die Böckchen in der 5. Woche zu isolieren?
  3. Wollen Sie Ihre Babys in einen Zooladen bringen, schauen Sie sich dort die Haltung an und vergleichen mit den eben gelesenen Haltungstipps. Wollen Sie Ihren Kleinen das wirklich zumuten? Viele enden als Schlangenfutter!

Links


Notfallvermittlung des VdRD:

Notfallvermittlung
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(langsamer)